Etherpad

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EtherPad ist ein webbasiertes Tool zum kollaborativen Schreiben und Bearbeiten von Texten, das von der Etherpad Foundation entwickelt wurde. Es zeichnet sich vor allen Dingen dadurch aus, dass es gleichzeitig mehreren Autoren ermöglicht, an einem Dokument zu arbeiten. Die vorgenommenen Änderungen erscheinen dabei zeitgleich bei allen Mitwirkenden, sofern diese gerade online sind (real-time document collaboration). Darüber hinaus lässt sich durch farbige Untermalungen stets nachvollziehen, welcher Beitrag von welchem Teilnehmer stammt. Weitere Funktionen, wie ein implementierter Chat oder das Speichern mehrerer Versionen, runden den Editor ab. Darüber hinaus kann der gesamte Bearbeitungsprozess des Pads "abgespielt" und nachvollzogen werden. Da es sich bei Etherpad um eine Software unter Open Source-Lizenz handelt (vgl. Wilkens 2009), steht der Code kostenfrei zur Verfügung. Brombach, Muuß-Merholz und Demuth raten Anfängern jedoch von einer Installation auf einem eigenen Server ab, weil der damit verbundene Vorgang sehr kompliziert ist. Stattdessen existiert eine Vielzahl von Drittanbietern (Featured Sites), bei denen Etherpad gratis genutzt werden kann - meist ohne Registrierung beim jeweiligen Anbieter. Die Daten verbleiben aber oft auf dem Webspace des jeweiligen Hosts (vgl. May 2011).


Inhaltsverzeichnis

Ein neues Pad anlegen

Um Etherpad zu nutzen, gibt es drei Wege. Die Software kann auf einem eigenen Webserver installiert (extern), in einem lokalen Netzwerk implementiert (intern) oder als Dienst bei einer Vielzahl von Drittanbietern verwendet werden.

Eigene Installation (intern und extern)

Auf ihrer Internetpräsenz stellt die Etherpad Foundation die beiden Etherpad Versionen (Lite und Full) als Codepakete kostenlos zur Verfügung. Allerdings braucht es ein gewisses Know How, um sie zu installieren. Tutorials, wie auf http://pauleira.com/13/installing-etherpad/ und http://code.google.com/p/etherpad/wiki/Instructions zu finden, helfen dabei, dennoch sollten Anfänger zunächst auf die von verschiedenen Betreibern angebotenen Etherpaddienste zurückgreifen. Der kollaborative Editor kann auch für das Intranet konfiguriert werden. Aufgrund der zeitaufwändigen Implementierung haben einige Unternehmer diese Nische als Geschäftsmodell für sich entdeckt.

Drittanbieter

Lerngruppen und Autoren müssen aber nicht auf die Features von Etherpad verzichten, wenn ihnen das technische Wissen für eine Eigeninstallation fehlt. Einige private und kommerzielle Betreiber bieten die auf ihren Webseiten integrierten Pads zur kostenlosen Nutzung an. Die Foundation listet diese als Featured Sites. Dazu gehören auch einige Akteure, die das kollaborative Schreiben zu Lernzwecken speziell in den Vordergrund rücken:


Wie gehe ich vor, um ein neues Pad durch einen Drittanbieter anzulegen?

1. Seite eines beliebigen Drittanbieters öffnen (siehe z.B. Liste oberhalb)

2. Button "Neues Pad"/"Open"/"Create"/... klicken bzw. Namen des Pads festlegen

3. Im Pad Autorennamen festlegen und Farbe bestimmen

4. Personen zum Pad einladen ("Share this pad"/URL zur Verfügung stellen)

Zur Veranschaulichung: Etherpad-Tutorial

Funktionen und Möglichkeiten

Aufbau eines Etherpads (aktuelle Proversion auf Piratepad)

EtherPad behinhaltet fünf Hauptkomponenten: Die Autorenübersicht, einen implementierten Chat, das Textfeld, Funktionen zur direkten Textbearbeitung und Optionen, die das Pad selbst betreffen.

Autorenübersicht
Autorenübersicht

Nachdem einer der Autoren ein neues Pad angelegt hat, kann er sich (oben rechts) einen eigenen Namen zuweisen und eine Farbe auswählen, mit der seine Texte und Änderungen im Pad später farbig markiert werden sollen (Enter your name). Nun gibt es zwei Möglichkeiten, um weitere Autoren einzuladen. Wenn das Pad nicht durch ein Passwort geschützt ist, reicht es, den generierten Link zu teilen. Jeder, der diesem Aufruf folgt, wird automatisch zum Mitautor (inklusive Name und individueller Farbe). Neben einer Einladung via E-Mail bietet das Tool auch die Vergabe eingeschränkter Rechte, wie Read only.

Chatfenster
Ein Gespräch im Chatfenster

In seinem Netzweltartikel über das kollaborative Arbeiten mit Etherpad hebt Mark Perseke besonders dieses Feature als ungemein praktisch hervor: „So können während des Arbeitsprozesses Absprachen getroffen, sowie Fragen und Probleme geklärt werden.“ Jeder Teilnehmer schreibt zudem in der Farbe, mit der er auch im Textfeld editiert. Da alle Beiträge erhalten bleiben, sobald das Pad geschlossen wird, eignet sich der Chat auch gut zur Metakommunikation (vgl. Brombach, u.a. 2010). Nicht anwesende Mitautoren können auf diese Weise den ohne sie stattgefunden Gesprächsverlauf problemlos nachvollziehen (gleichzeitiges und versetztes Arbeiten).

Textbearbeitung

Das Textfeld ist das Herzstück des webbasierten Editors. Der Fokus liegt jedoch klar auf der kollaborativen Zusammenarbeit, so dass die Auswahl an Formatierungen eher gering ausfällt. Etherpad kennt lediglich Fett, Kursiv, Unterstrichen, Durchgestrichen, Stich-/Listenpunkte und Einrücken. Darüber hinaus besitzen Autoren die Möglichkeit, Anhänge (Bilder, Videos und ähnlichen Medien) in das Dokument einzubinden, wobei diese vorher auf dem Webspace des jeweiligen Anbieters abgelegt werden. Die Software verfügt weiterhin über eine Copy Pad-Option (als Plugin installierbar), die den Inhalt des aktuellen Pads in ein neues kopiert, aber die Urheberschaft einzelner Texte (Farben und Autorennamen) beibehält. Zusätzlich verlinkt es eine Read Only-Version des Originals. Damit kann nicht nur kommentierend auf ein anderes Pad eingegangen werden, der Anbieter speichert auch die gegenseitigen Bezugslinien, so dass ein ständig wachsendes Netz zwischen den einzelnen Pads entsteht. Die Find links to this pad-Option zeigt sämtliche Verlinkungen zum jeweiligen Dokument an. Allerdings frisst diese Funktion ein hohes Maß an Ressourcen, so dass diese beispielsweise beim Piratenpad momentan abgeschaltet ist (vgl. Martischka 2011).

Erweiterte Funktionen

Neben der reinen Textverarbeitung hält Etherpad einige Tools für das Verschicken, Einrichten und Speichern von Dokumenten bereit.

Import / Export: Der in Etherpad erstellte Text kann in andere Anwendungen exportiert und lokal weiterbearbeitet werden. Für Etherpad 1.0 (Lite) stehen laut Foundation HTML, Word und PDF zur Verfügung, Vollversionen (wie Edupad und Piratepad) bieten zusätzlich die Ausgabe als normales Textdokument (Txt), Bookmark File (Datei, die beim Öffnen zum Pad verlinkt) und Open Document (ODT). Umgekehrt ist es möglich, diverse Textdokumente (Txt, HTML, Word und RTF) zu importieren.

Timeline / Versionisierung:
Die Etherpad-Timeline
Eine besondere Eigenschaft von Etherpad ist, dass es nicht nur das aktuelle Dokument speichert, sondern den gesamten Bearbeitungsverlauf (Erste Schritte im Pad, wer hat wann was hinzugefügt oder verändert, etc.). Mithilfe des Timesliders können alle Autoren die Entstehungsgeschichte in Form eines Zeitraffers zurück verfolgen: Wer hat wann was hinzugefügt oder gelöscht (vgl. Brombach, u.a. 2010)? Jeder geschriebener Buchstabe und jede neue Formatierung entsprechen quasi einer neuen Version, die Etherpad für das spätere Kopieren, Exportieren und Verlinken speichert. Dazu haben die Teilnehmer die Möglichkeit, gezielte Speicherpunkte zu setzen (über Save Revision).

Pad Options: Dieses Menü beherbergt Option, die das Dokument selbst betreffen: Das Ein- und Ausblenden der Urheberfarben, das Ein- und Ausblenden von Zeilennummern und die Wahl zwischen zwei Schriftmodi (normal und monospaced). Diese Änderungen wirken sich auf die Ansicht aller Teilnehmer aus.

Anwendungsmöglichkeiten

Etherpad bietet durch seine einfache Bedienung, die Echtzeit-Aktualisierung und das einfache Teilen von Pads eine Vielzahl an möglichen Anwendungsfeldern. Grundsätzlich kann Etherpad überall eingesetzt werden, wo mehrere Personen zusammen einen Text verfassen wollen. Anwendungsmöglichkeiten sind z.B.:

  • gemeinsames Schreiben von Texten aller Art
  • kollaborative Protokollführung bei Sitzungen usw. (etwa von der Piratenpartei angewendet)
  • gemeinsames Anfertigen von Notizen während eines Telefongesprächs
  • gemeinsame Mitschrift etwa in einer Lehrveranstaltung an Schule oder Universität
  • gemeinsame Erstellung von Code (Social Coding, vgl. Freedman 2011)
  • kollaboratives Brainstorming zu einem Projekt
  • journalistisches Arbeiten (Sammeln von Informationen, Verfassen des Artikels, Korrekturen)
  • u.v.m.


Etherpad in der Praxis

Wie bereits beschrieben gibt es zahlreiche Anwendungsmöglichkeiten von Etherpad. Wie genau sieht dies in der Praxis aus?


1. Etherpad in Unternehmen

In Unternehmen kann Etherpad sicherlich bei kollektiven Brainstormings am sinnvollsten Einsatz finden.Vor allem bei großen Konzernen, die international agieren, bringt kollaboratives Schreiben Effizienz mit sich: räumliche und zeitliche Entfernungen werden überbrückbar. Darüber hinaus kann ein Etherpad auch beispielsweise bei der Begleitung eines Projekts eingestzt werden - von der Planung bis hin zur Umsetzung (Ablaufpläne, Tagesordnungen, Status-/Zwischenberichte, plötzlich auftretende Probleme/Fragen dokumentieren, usw.).

Beispiel: Seibert Media GmbH


2. Etherpad als journalistisches Tool

Eine wichtige Kernfunktion des Etherpads ist das sammeln von Informationen. Für Redakteure bietet die Anwendung von Etherpad die Möglichkeit, gemeinsam Details zu aktuellen Geschehnissen in Echtzeit zusammenzutragen und daraus einen Artikel bzw. Meldungen zu verfassen. Vorstellbar wäre dies z.B. in der Kriegs-/Auslandsberichterstattung - um die stattfindenden Details vor Ort gleich dem im Heimatland sitzenden Redaktionsteam bereitstellen zu können.

Ein wichtiges Schlagwort hierbei ist Collaborative Journalism - welcher vor allem im Online-Bereich zu verorten ist. Erfolgreiche Medien, wie z.B. ZEIT ONLINE, machten bereits Gebrauch vom kollaborativem Schreiben. Klar abzugrenzen ist der Collaborative Journalism vom Partizipativen Journalismus. Bei letzterem spricht man auch oft vom "Bürgerjournalismus" - es geht um die Teilnahme der Bürger am gesellschaftlichen Diskurs mit Hilfe spezieller Tools (unter anderem Wikis). Kernpunkt des Collaborative Journalism ist rein der Aspekt des gemeinsamen Schreibens, für welchen Etherpad wiederum geschaffen wurde.


3. Etherpad im Unterricht

Am häufigsten findet Etherpad zur Zeit Einsatz also eLearning-Tool. Emfohlen wird es hierbei für Gruppenarbeiten in der Schule - als Teil der Entwicklung von Medienkompetenz. Im universitären Bereich kann es unterstützend bei Vorlesungen (zum mitnotieren von Fragen, die während der Lehrveranstaltung auftreten), in Seminaren (um vor Ort in Gruppen zu arbeiten), aber auch als Feedback-Möglichkeit nach Vorträgen eingesetzt werden. Darüber hinaus kann Etherpad zum Brainstorming und Sammeln neuer Ideen für Gruppenarbeiten genutzt werden.

Was Etherpad leistet

  • kollaborative Zusammenarbeit (gleichzeitig und versetzt) mit integriertem Chat, die beim Einsatz von geeigneten Kommunikationsmitteln (Skype, u.ä.) noch deutlich wächst
  • einfache Nutzung: Obwohl der geringe Funktionsumfang von Etherpad als Nachteil gelten kann, erleichtern die wenigen Optionen den Einstieg für unerfahrene User. Es geht keine Zeit für aufwändige Tutorials verloren. Der Fokus liegt stets auf den Textinhalten und nicht auf ästhetischen Aspekten.
  • niedrigschwelliger und barrierefreier Zugang: Es wird keine eigene Software benötigt, von der einige Autoren möglicherweise sogar eine unterschiedliche Version besitzen (beispielsweise Microsoft Word: *.doc und *.docx)
  • klar nachvollziehbare Autorenschaft, die auch dann farbig erkennbar bleibt, wenn der Text per Copy Pad-Funktion in andere Pads integriert oder mit ihnen vernetzt wird. Damit lässt Etherpad nicht nur die kollaboartive Generierung von Wissen zu, sondern zeigt transparent, woher die Informationen stammen und bei wem die Urheberrechte liegen. Dies entspricht wiederum in Ansätzen dem Grundgedanken, den Ted Nelson mit seinem Projekt Xanadu verfolgte: „Durch die Möglichkeit der simultanen und kollektiven Bearbeitung eines Dokuments soll der tendenzielle Gegensatz zwischen Autor und Leser aufgehoben werden. [...] Es sind darüber hinaus auch Mechanismen erforderlich, die bei extensivem Mehrbenutzerbetrieb die Integrität, Aktualität und auch das Rückverfolgen der Entstehugshistorie eines Dokuments gewährleisten sowie den Schutz von Urheber-, Nutzungs- und Vervielfältigungsrechten unterstützen“ (Kuhlen 1991: 217).
  • zahlreiche Anwendungsmöglichkeiten für Studium, Beruf und auch privat
  • von jedem Rechner mit Internetzugang verfügbar
  • alle haben stets die aktuelle Version des Textdokuments, das Hin- und Herschicken per E-Mail entfällt


Mögliche Kritikpunkte

  • geringer Funktionsumfang: Etherpad bietet neben den grundlegenden Editieroptionen nur sehr wenig Möglichkeiten, um Texte zu editieren. Zumindest das Einfügen von Überschriften zur besseren Strukturierung wäre wünschenswert (vgl. Mey 2011). Zwar bieten eduPad (eine Überschrift) und SplinePad (sechs verschiedene Überschriftsstufen) diese Funktion schon an, aber sie ist nicht im Standard integriert.
  • unterschiedlicher Funktionsumfang bei Drittanbietern und Sourcecode: Daraus ergibt sich wiederum, dass viele angebotene Pads und der Sourcecode verschiedene Features besitzen. Es unterstreicht zwar den Open Source-Gedanken der Software, dennoch würde eine allgemeine Integration gewisser Standards (Überschriftsstufen, Hyperlinks, etc.) positiv auf das Arbeiten mit Etherpad wirken, gerade in Bezug auf Sharing, Export und Import. Problematisch könnte es werden, wenn mehrere Lerngruppen mit Pads von unterschiedlichen Anbietern arbeiten und ihre Ergebnisse am Schluss zusammenfügen möchten. Selbiges gilt für das Freischalten von Optionen wie den Passwortschutz.
  • (Drittanbieter) Ein Pad vergisst nie: Öffentliche Pads lassen sich meist nicht löschen. Das betrifft fertig gestellte Dokumente und Einzelversionen, die durch den Timeslider konserviert sind (vgl. Mey 2011). Das bedeutet, dass Fremdpersonen nach Bekanntwerden des Links den gesamten Arbeitsprozess nachvollziehen können, zudem stehen die eigenen Werke für eine unbekannte Zeitperiode auf den Servern eines fremden Anbieters. Wenn dieser beispielsweise beschließt, Werbung einzublenden, verdient er möglicherweise am selbst keierten Content (vgl. Brombach, u.a. 2010). Es gibt allerdings auch Pads, deren Inhalte nach Ablauf einer bestimmten Frist (Bsp.: 30 Tage), in der das Pad nicht aufgerufen und bearbeitet wird, automatisch löscht werden. Diese sind dann auch mit dem Link nicht mehr abrufbar.
  • (Drittanbieter) Abhängigkeit / Welche Interessen hat der Host? Brombach, Demuth und Muuß-Merholz arbeiteten heraus, dass das Speichern von Texten bei einem Anbieter zu einer gewissen Abhängigkeit führt - wenn dieser seinen Service einstellt, ist das Etherpad verloren (vgl. ebd. 2010). Desweiteren weisen sie auf die möglichen ideologischen und kommerziellen Interessen des Betreibers hin (siehe Piratenpad). Nichts ist gratis, hinter kostenlosen Anbieter könnten sich Datenkraken verstecken.
  • kollaboratives Arbeiten muss geübt werden
  • kein Offlinemodus

Quellen und Einzelnachweise