Piratenpad
Aus Business und Internet
Das Piratenpad ist ein freier Etherpad-Server von der deutschen Piratenpartei. Das Piratenpad kann von jedem frei genutzt werden, Pads können ohne Anmeldung o.ä. erstellt werden und müssen nicht im Zusammenhang mit der Piratenpartei stehen. Das Piratenpad bietet zudem die Möglichkeit, eigene Teams anzulegen, um Pads privat zu teilen. Diese erhalten eigene Subdomains, wie z.B. https://lernenmitsocialmedia.piratenpad.de/. Auch einzelne Pads können außerhalb des Teams freigegeben werden, wie z.B. https://lernenmitsocialmedia.piratenpad.de/1. Bei Bedarf können diese mit einem Passwort vor unerwünschtem Zugriff geschützt werden. Das Piratenpad wurde am 25.11.2011 vorläufig vom Netz genommen, weil dort Links zu kinderpornographischen Inhalten gepostet wurden.
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Verwendung in der Piratenpartei, Verhaltenskodex
Die deutsche Piratenpartei verwendet das Piratenpad für verschiedene Organisationsprozesse in der Partei, etwa um ihre Sitzungen zu dokumentieren, für Input und Anregungen der Mitglieder uvm. Aktuelle Diskussionen können auf Twitter mit dem Hashtag #Piratenpad verfolgt werden. Die Partei hat auch einen eigenen Twitter-Account für das Piratenpad eingerichtet. Für das Etherpad der Piratenpartei besteht folgender Verhaltenskodex:
1. Traue dich zu editieren!
2. Rechtschreibfehler dürfen ungefragt korrigiert werden
3. Wenn du dir nicht sicher bist ob du Text löschen darfst, so streiche ihn durch. Deinen Verbesserungsvorschlag kannst du dahinter schreiben
4. Nutze, wenn möglich, nicht die selben Farben und Namen wie andere Teilnehmer
5. Wenn du aus Versehen editiert hast, so nutze die Rückgängigfunktion
6. Schreibe Anregungen & Fragen direkt in den Text, hebe diese jedoch hervor. z. B. mit kursivem Text
(entnommen von Piratenpad 2011a)
Hintergründe
Die (schwedische) Piratenpartei ist einer der Sponsoren der Etherpad Foundation, auch die deutsche Piratenpartei ist Mitglied der Foundation (vgl. Piratenpad 2011b). Die Pads der schwedischen und deutschen Piratenpartei werden auf der Homepage der Foundation prominent als "Featured Sites" gelistet (vgl. Etherpad Foundation 2011). So nutzt die Piratenpartei die Förderung des Etherpad bzw. der Foundation auch für Werbung in eigener Sache, indem (potenzielle) Etherpad-Nutzer auf die Pads der politischen Partei geleitet werden.
Abschaltung
Am 25.11.2011 nahm die Piratenpartei ihr Pad vorläufig vom Netz, weil dort Links zu kinderpornographischen Inhalten gepostet wurden. Mitglieder des Anonymous-Kollektivs hatten das Pad in ihrer Aktion #OP Innocence genutzt, die sich gegen Kinderpornographie im Internet richtet. Dabei hatten sie Links zu Foren gepostet, in denen sich offenbar Pädophile austauschen. (siehe hierzu den Beitrag in der Futurezone) Bereits wenige Stunden später, am Abend des 25.11.2011 war das Piratenpad wieder problemlos erreichbar. Aber die Unsicherheit sowohl über Hintergründe als auch über die Konsequenzen für die Partei bleiben; bisher ist ungeklärt, inwieweit die Partei für Inhalte im Piratenpad verantwortlich gemacht werden kann, weshalb die Parteijuristen mit einem Gutachten beauftragt wurden (vgl. Meiritz 2011). Im Zuge der Geschehnisse wurde von einigen Parteimitgliedern auch die Einstellung des Piratenpads ins Gespräch gebracht, da eine politische Betätigung unter diesen Umständen nicht mehr möglich ist (vgl. Dehoust 2011). Die Parteiführung hat indes Anzeige gegen Unbekannt gemäß §184b StGB wegen Verbreitung, Erwerb und Besitz kinderpornographischer Schriften bei der Polizei in Berlin erstattet. In einer Pressemitteilung räumt die Parteiführung ein, dass eine Kontrolle der Inhalte des Piratenpads technisch nicht möglich ist und nur Hinweisen nachgegangen werden kann. In dieser Pressemitteilung veröffentlicht die Partei ebenfalls das an sie gerichtete Schreiben von Anonymous im Wortlaut.
Quellen
- dejure.org (2008): §184b StGB Verbreitung, Erwerb und Besitz kinderpornographischer Schriften (25.11.2011).
- Etherpad Foundation (2011): Public Sites. Online unter: http://etherpad.org/public-sites/ (18.11.2011).
- Futurezone (2011): Piraten nehmen Piratepad vom Netz. Online unter: http://futurezone.at/netzpolitik/6079-piraten-nehmen-piratepad-vom-netz.php (18.11.2011).
- Johan Dehoust (2011): Kinderporno-Links: Piraten schalten Foren-Server ab. Erschienen im Tagesspiegel am 23.11.2011 (25.11.2011).
- Meiritz, Annet (2011): Kinderporno-Panne erschüttert Piratenpartei. Erschienen auf Spiegel-Online (25.11.2011).
- Piratenpad (2011a): Piratenpad Anleitung. Online unter: http://www.piratenpad.de/ (18.11.2011).
- Piratenpad (2011b): Etherpad Foundation. Online unter: http://www.piratenpad.de/node/4 (18.11.2011).
- Piratenpartei (2011): Piratenpad missbräuchlich genutzt - Piratenpartei erstattet Anzeige. Pressemitteilung der Parteiführung (25.11.2011).
