Social Bookmarking
Aus Business und Internet
Social Bookmarking beruht auf Web 2.0 Anwendungen. Es handelt sich dabei um die Möglichkeit Bookmarks online zu speichern und somit von jedem beliebigen Computer darauf zugreifen zu können. Meisten werden diese Bookmarks durch Tags/Schlagworte organisiert (nicht hierarchisch, wie dies bei Lesezeichen im Browser üblich ist). Social Bookmarking ermöglicht das Austauschen und Weitergeben von Links und Linksammlungen.
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Was ist Social Bookmarking?
Social Bookmarks (dt. Soziale Lesezeichen) sind Teil der "Sozialen Software" und bezeichnen eine persönliche Linksammlung mittels der der Benutzer/ die Benutzerin interaktiv arbeiten kann. Auf Social Bookmarking- Diensten können nach einer Registrierung Webinhalte, wie zum Beispiel Bookmarks, Bilder, Videos oder Dokumente erschlossen, verwaltet und mit anderen NutzerInnen geteilt werden. Das geschieht mittels Tags, die frei gewählt werden.
Social Bookmarking bedeutet also das Speichern und Austauschen von Links auf eigens dafür konzipierten Seiten. Für zukünftige Benutzung können Titel, Schlagworte, Notizen o.ä. hinzugefügt werden. Sie können auch kommentiert werden. Gesammelt werden diese Links in persönlichen 'libraries'. (vgl. Hammond et al. 2005)
Es gibt einige Vorteile des webbasierten Social Bookmarkings:
- Man ist nicht lokal, an einen Computer, gebunden.
- Die Tags erlauben ein flexiblen und nicht hirarchisches Ordnungssystem.
- Für das Austauschen von Links ist keine besondere Absprache notwendig.
Beispiele für Social Bookmarking Seiten sind Delicious, Stumbe Upon, Mr. Wong, Furl u.ä. (vgl. Plieninger/Bergman 2008: S.7f)
Beim Social Bookmarking handelt es sich um kollaboratives Wissensmanagement, das öffentlich ist (vgl. Schmitz et al. 2006). Dieses Wissensmanagement hat zum Ziel, dass jeder Nutzer sein Wissen in ein bestimmtes System einbringt und so das Wissen allen zur Verfügung steht (vgl. Ebd.). Mit „Social“ ist gemeint, dass das gesammelte Wissen immer und überall für alle verfügbar ist (vgl. Ebd.).
Geschichte
Allgemein wurden Bookmarks bereits mit den ersten Webbrowsern etabliert (vgl. Kahl 2009: 4). Vor dem Durchbruch der Suchmaschinen waren Webverzeichnisse wie Yahoo wichtige Navigationshilfen (vgl. Ebd.). Als Vorgänger des Social Bookmarking können jeder Webverzeichnisse gesehen werden, die von NutzerInnen als RedakteurInnen erstellt und betreut wurden (z.B. Open Directory Project 1998) (vgl. Ebd.).
Einer der ersten Social Bookmarking Dienste war itList, welches April 1996 heraus kam. (vgl. scoutreport 1999: itList) Weitere Social Bookmarking Dienste kamen in Folge auf (z.B. Backflip, Blink, Clip2, Hotlinks). Diese Firmen hatten jedoch keinen großen Einfluss, da sie bereits 2001 als die Dotcom-Blase platzte wieder aus dem Internet verschwanden.
2003 wurde Delicious gegründet, welches das Konzept von Tags/Schlagworten einführte. In den folgenden Jahren kamen weitere Social Bookmarking Dienste wie Simpy, Furl, Stumbleupon, Digg etc. auf.(vgl. Social Bookmarking Software 2011: The History Of Social Bookmarking)
2004 kamen CiteULike und Connotea heraus welche Social Bookmarking Dienste sind, die speziell für wissenschaftliches Arbeiten entwickelt wurden. (vgl. Connotea 2012: Community FAQ; CiteULike 2012: FAQ)
Folksonomy
Der Begriff Folksonomy (dt. Folksonomie) bezeichnet ein soziales Netzwerk, das auf dem Free Tagging (od. Social Tagging) aufbaut (vgl. Albrecht 2006: 18). Free Tagging meint hier die freie Verschlagwortung von Objekten wie Bookmarks, Dokumente, Fotos, etc. mit Worten, die diese beschreiben (vgl. Ebd.). Die Wörter werden von den NutzerInnen selbst ausgesucht und nicht von Experten. „Eine Folksonomy ergibt sich, wenn man viele dieser Benutzer in ein System integriert und deren Objekte und Tags für alle zugänglich macht. Die Kombination aus Benutzern, Objekten und Tags erzeugt ein soziales Netzwerk.“ (Albrecht 2006: 18).
Eine der bekanntesten Definitionen des Begriffs „Folksonomy“ stammt von Vander Wal (2005): „Folksonomy is the result of personal free tagging of information and objects (anything with a URL) for one’s own retrival. The tagging is done in a social environment (shared and open to others). The act of tagging is done by the person consuming the information. The value in this external tagging is derived from people using their own vocabulary and adding explicit meaning, which may come from inferred understanding of the information/object as well as. The people are not so much categorizing as providing a means to connect items and to provide their meaning in their own understanding.“
Tags als strukturierte Metadaten sind also die Grundlage von Folksonomy (vgl. Albrecht 2006: 18). Die Benutzer erstellen diese Schlagwörter aber nicht nur für sich selbst, sondern für das Netzwerk und vergeben so häufig allgemein verständliche Wörter (vgl. Ebd.).
Weitere Definitionen zum Begriff „Folksomomy“ finden sich auch im deutschsprachigen Raum: „Der Begriff Folksonomy setzt sich zusammen aus den Begriffen ”Folks“ (Englisch für Menschen, Leute) und ”Taxonomy“. Im Gegensatz zu einer Taxonomie klassifizieren die Benutzer Objekte wie Bookmarks oder Fotos selbst, indem sie sie mit so genannten Tags versehen. Ein Tag ist ein Schlagwort oder ein oder mehrere beschreibende Begriffe für ein Objekt.“ (vgl. Alby 2007: 73)
„Das sog. Tagging wird oftmals als "folksonomy" bezeichnet, eine Sprachspielerei aus den beiden Begriffen "folk" und "taxonomy". Der Begriff soll zum Ausdruck bringen, dass hier keine Begriffssystematik nach streng wissenschaftlichen Kriterien angestrebt wird. Vielmehr steht es jedem Nutzer frei, sein eigenes Begriffssystem aufzubauen.“ (Bächle 2006: 121)
Ein Vorteil von Tags ist, dass sie durch die Beschränkung auf einzelne Wörter schneller vom Gehirn gefiltert werden, auch wenn längere Beschreibungen, wie zum Beispiel Reviews oder Exzerpte, mehr Informationen beinhalten (vgl. Albrecht 2006: 19).
Allgemein kann gesagt werden, dass das Vokabular nicht kontrolliert wird, sondern aus frei gewählten Wörter der BenutzerInnen besteht und Folksonomy nicht hierarchisch ist (vgl. Albrecht 2006: 23).
Die Tags eines Netzwerks können auch visualisiert werden. Dabei ist die häufigste Form der Visualisierung die Tag-Cloud.
Social Cataloging
Social Cataloging (oder auch Social Citation) ist eine Varainte von Social Bookmarking und wird für die Sammlung von Literaturhinweisen im Web angewendet (vgl. Plieninger/ Bergmann 2008: 8). Es handelt sich hierbei also um webbasierte Literaturverwaltungsprogramme, bei dem man meist von überall auf die Literatursammlung zugreifen kann (vgl. Ebd.). Die Literatursammlung wird mittels Tags erschlossen und kann mit anderen NutzerInnen geteilt werden (vgl. Ebd.). Natürlich können auch hier Netzwerke gebildet werden (vgl. Ebd.). Zielgruppe dieser Dienste sind vor allem WissenschaftlerInnen und StudentInnen (vgl. Kahl 2009: 5). Somit geht es hierbei vor allem um „[…] die Verwaltung von Links auf wissenschaftliche Artikel.“ (vgl. Hippner 2006: 12) Hippner (2006: 12) nennt zwei Ziele die damit verfolgt werden, nämlich die Ressourcen von Wissenschaftlern mit verwandten Forschungsgebieten aufzudecken und die Unterstützung des Auffindens von Fachartikeln für einen bestimmten Forschungsbereich.
Das Verbinden der Schlagwörter aller NutzerInnen mit einem konkreten Inhalt wird beim Social Bookmarking mittels der URL gewährleistet, beim Social Cataloging hingegen geschieht das über die bibliographischen Daten der Texte, da diese nicht zwingend eine URL haben müssen oder unter mehreren URL´s zu finden sind (vgl. Kahl 2009:5). Diese bibliographischen Daten müssen aber nicht mühsam eingetippt werden, sondern werden automatisch importiert (vgl. Ebd.). Da nicht alle Quellen im Internet von dieser automatischen Importfunktion unterstützt werden, gibt es auch noch die Möglichkeit, die Daten manuell einzugeben. Grundsätzlich muss der Nutzer/ die Nutzerin aber nur mehr die Schlagwörter vergeben (vgl. Kahl 2009: 5). Neben der semi-automatischen und der manuellen Eingabe von Artikeln, kann aber auch ein Text, der direkt auf dem verwendeten Dienst gefunden wurde, in die eigene Bibliothek kopiert und so übernommen werden (vgl. Kahl 2009: 11).
Innerhalb der Datenbanken der Dienste selbst kann man also ebenfalls nach Artikeln suchen. Dafür bieten die Dienste umfangreiche Suchmöglichkeiten, wie zum Beispiel die Suche nach AutorInnen, Titel, Tags. Texte entdecken kann man demnach über andere User mit den selben Texte, Gruppen mit den selben Interessen, über die Tag-Cloud oder wie eben erwähnt mittels Stichwortsuchen (vgl. Kahl 2009: 12).
Die erstellten Listen können anschließend in Textverarbeitungsprogramme oder Literaturverwaltungsprogramme exportiert werden (vgl. Kahl 2009: 5).
Für die Recherche sind solche Dienste auf Grund des Bestands und der Funktionalität jedoch nicht geeignet, sondern sind eher als zusätzliches Rechercheinstrument neben Datenbanken, Katalogen, Suchmaschinen und Bibliotheken zu sehen (vgl. Kahl 2009: 13).
Allgemein kann unterschieden werden zwischen Desktop-Anwendungen und webbasierten Systemen (vgl. Wang/ Wan (2007): 7f.). Zu den bekanntesten kommerziellen Literaturverwaltungsprogrammen zählen EndNote, ProCite, Reference Manager, Visual Composer.NET und JabRef. Diese sind reine Desktop-Anwendungen und müssen auf dem PC installiert werden. Es gibt aber auch webbasierte kommerzielle Programme, wie zum Beispiel Citavi.
Unter den kostenlosen, webbasierten Literaturverwaltungsprogrammen kann zwischen quellofener Software (z.B. Connotea, Unalog, CiteULike, Aigaion, BibSonomy) und proprietärer Software (z.B. CiteULike, RefWorks) unterschieden werden.
Eine weitere Möglichkeit der Literaturverwaltung bietet Zotero, welches kostenlos aber Browser-gebunden (Mozilla Firefox) ist.
Connotea
Connotea ist ein kostenloses online Referen-Management-Program und Social-Bookmarking-Service für Wissenschaftler. Es wurde 2004 von der Nature Publishing Group erstellt. Der Code von Connotea frei einsehbar und unter einer Open-Source Lizenz.
Das Konzept von Connotea ist angelehnt an jenes von Delicious, ist aber auf den wissenschaftlichen Bereich spezialisiert. Es ermöglicht das Bilden von Guppen, Taggen von Links und das Exportieren und Importieren von Linklisten.
CiteULike
CiteULike ist ein kostenloser Social-Bookmarking Web-Service für das Lesen, Schreiben, Verwalten und Teilen von wissenschaftlichen Publikationen, der auf einer proprietären Software basiert. Die bibliographischen Daten der jeweiligen Artikel können als BibTex oder EndNote-Daten exportiert werden. CiteULike wurde von Richard Cameron an der Universität Manchester verfasst und ging im November 2004 als freier Web-Service online (vgl. Hammond et al. 2005). Ab 2006 gründete er gemeinsam mit Chris Hall, Kevin Emamy und James Caddy das Unternehmen Oversity Ltd., wo der Web-Service weiterentwickelt wurde (vgl. CiteULike 2012: FAQ).
Citavi
Citavi ist ein nicht web-basiertes Programm mit dem sich Referenzen organisieren lassen. Es ist hauptsächlich für den Gebrauch im wissenschaftlichen Bereich gedacht und viele deutschsprachige Unis bieten ihren Angehörigen Zugang zu Citavi an.
Das Programm kann somit nicht zu den Social Bookmarking Tools gezählt werden. Der Austausch von Daten ist ebenfalls nur begrenzt möglich.
BibSonomy
BibSonomy ist ein kostenloser, webbasiertes, quelloffenes Literaturverwaltungsprogramm zur Verwaltung und zum Teilen von Publikationen und Lesezeichen. Erreichbar ist die persönliche Datensammlung über jeglichen Browser. Der Name BibSonomy setzt sich aus den Worten „Bibliography“ und „Floksonomy“ zusammen und bezieht sich damit auf den kooperativen Aufbau der Quellenangaben und die Vergabe von Tags (vgl. Kerschis 2009: 93). Zielgruppe ist hauptsächlich das akademische Publikum.
Zotero
Zotero ist eine quelloffene Erweiterung für den Webbrowser Mozilla Firefox zur Verwaltung von Quellen. Es werden dabei sowohl Offline- als auch Online-Quellen gesammelt, verwaltet und zitiert. Die aktuelle Version bietet jedoch auch eine Desktop-Anwendung von Zotero, sowie Versionen für andere Browser (Safari, Google Chrome) und ermöglicht das Anlegen einer persönlichen Bibliothek auf dem Zotero-Server.
Unalog
Unalog ist ein Social Bookmarking Dienst 2003 gegründt wurde und einige Jahre von der Universität Jale mitbetrieben wurde. Um einen neuen Account zu erhalten muss man allerdings eine E-Mail an den Betreiber schreiben, da das Registrieren, wie es bei anderen Seiten üblich ist, nicht funktioniert.
Weblinks
Quellen
- Albrecht, Christine (2006): Folksonomy. (06.01.2012).
- Alby, Tom (2007): Web 2.0. Konzepte, Anwendungen, Technologien. München. Wien: Carl Hanser Verlag.
- Bächle, Michael (2006): Social Software. In: Informatik-Spektrum Band 29, Nr. 2.
- CiteULike 2012: FAQ. (03.01.2012).
- Connotea 2012: Community FAQ (08.01.2012)
- Hammond, Tony/ Hannay, Timo/ Lund, Ben/ Scott, Joanna (2005): Social Bookmarking Tools (I). A General Review. (08.01.2012)
- Hippner, (2006): Bedeutung, Anwendungen und Einsatzpotenziale von Social Software. (07.01.2012).
- Kahl, Andreas (2009): Literaturverwaltung mit Social Bookmarking-Diensten. (03.01.2012).
- Kerschis, Annett (2007): Literaturverwaltung und Wissensorganisation im Vergleich. Das Angebot von Literaturverwaltungsprogrammen und Social Bookmarking in Bezug auf die Benutzbarkeit in Bibliotheken. (03.01.2012).
- Plieninger, Jürgen/ Bergmann, Julia (2008): Bessere Arbeitsorganisation mit Web 2.0 (08.01.2012)
- Schmitz, Christoph/ Hothol, Andreas/ Jäschkel, Robert/ Stumme, Gerd (2006): Kollaboratives Wissensmanagement. (06.01.12).
- Social Bookmarking Software 2011: The History of Social Bookmarking (08.01.2012)
- The Scout Report 1999: itLink (08.01.2012)
- Vander Wal, Thomas (2005): Folksonomy Definition and Wikipedia. (06.12.2012).
- Wang, Ting/ Wan, Xiaolong (2007): Anwendung und Systeme zur kollaborativen Literaturverwaltung. (06.01.2012).
